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Die spektakulärsten Golfschläge der Saison - und wie man sie spielt.

Die spektakulärsten Golfschläge der Saison - und wie man sie spielt.

Die PGA und die Europan Tour haben uns in dieser Saison, wie gewohnt, verwöhnt mit sensationellem Golf. Vier der sicher außergewöhnlichsten Golfschläge wollen wir vor den Vorhang holen und auch kurz erklären, wie die reine Technik dazu aussieht und auch angewandt wurde.

Ian Poulter

Ian Poulter, Players Championship, Punch aus dem Pinien-Wäldchen

Der Schlag:

Generell einer der toughesten Schläge ist immer der, der einem komplett verpatzten Schlag folgt. Dazu kommt im vorliegenden Fall ein kurz davor verhängter Penalty Drop und daher muss man Ian Poulters Save-your-Soul Schlag aus dem  Wäldchen, das mit abgefallenen Piniennadel übersäht war, schon per se zu den Besten der abgelaufenen Saison zählen. Dazu kommt, dass der Schlag funktioniert hat, als hätte man ihn erst erfinden müssen. Das 72-igste Loch der Players Championship wird insofern im Gedächtnis bleiben.

Wie man ihn schlägt:

Sobald die Ball-Lage unglücklich ist, ist die wichtigste Grundregel den Ball vor dem Boden zu treffen, damit der Ballkontakt glücken kann. Das Gewicht kommt vorwiegend über den linken Fuß (bei Rechtshändern) und soll dort auch bleiben, das Gewicht in Richtung rechten Fuß zu legen und so nach hinten zu kippen, ist die absolute Killerbewegung für diesen Schlag.


Jordan Spieth

Jordan Spieth, Travelers Championship Bunkerschlag zum Sieg

Der Schlag

Wie bereits 2013 auf dem Weg zu seinem ersten Turniersieg konnte Jordan Spieth auch bei den Travelers Championship 2017 durch einen eingelochten Schlag aus einer furchtbaren Bunkerlage den Sieg erringen. Diesmal im Play Off gegen Daniel Berger – und der Schlag, wie auch die Freude darüber, ist ausnehmend sehenswert. Und sieht, wie alle Dinge, die schlussendlich perfekt funktionieren, besonders leicht aus.

Wie man ihn schlägt:

Der Schlag aus dem tiefen Grünbunker am 18.Loch des TPC River HIghland Kurses tat, was alle perfekt getroffenen Bunkerschläge tun. Er flog hoch, kam zwei mal gelassen auf und lief direkt ins Loch. Um das hinzubekommen, ist es wichtig einen etwas längeren Rückschwung zu erlauben, um den Schlägerkopf genau hinter dem Ball, ähnlich einer Ohrfeige, in den Sand zu „kleschen“, wobei es wichtig ist, es dennoch ruhig und gelassen anzugehen und nicht mit Gewalt auf den Ball zu „dreschen“. Guter Stand, relativ weit weg vom Ball, so dass man sich gefühlt fast etwas nach dem Ball strecken muss, gibt den Armen genug Raum um deren Job zu tun.


Anna Nordqvist

Anna Nordqvist, Solheim Cup, Annäherungsschlag Tag 4, Loch 18

Der Schlag

Nachdem der bequeme Vorsprung von vier Loch sich nach sensationell gespielten zweiten neun Loch von Lexi Thompson (7 unter Par auf den zweiten Neun) überraschend in einen Rückstand von einem Loch gewandelt hatte, bewies Anna Nordqvist Nerven. Unter Druck gelang ihr ein Eisen 8 Annäherungsschlag, den man auch unter gelassenen Bedingungen wohl selten sieht. Die Schwedin spielte das Birdie und holte für Europa den dringend benötigten halben Punkt.

Wie man ihn schlägt:

Hier trägt die Situation besonders viel zur Außergewöhnlichkeit des Schlages bei. Unerwartet zurückzufallen, weil die Gegnerin spielt, als wäre sie nicht von dieser Welt, bringt psychologische Ausnahmezustände mit sich. Herzrasen, schwitzen und das Gehirn voller Gedanken sind natürliche Begleiterscheinungen, die nur sehr schwer unter Kontrolle zu bringen sind und emotionale Achterbahnfahrten auslösen. Hier hilft nur alle negativen Gedanken auszuschalten und sich voll und ganz zu konzentrieren, was den Energie- und Adrenalinlevel unmittelbar ansteigen lässt. Das ist leicht gesagt, das ist uns klar, dennoch – niemand hat je gemeint, dass perfekte Golfschläge, vor allem unter Druck, leicht abzuliefern sind.

www.golfchannel.com/video/nordqvist-knocks-it-tight-18 >


Justin Thomas

Justin Thomas, US Open, Holz 3 zu seiner historischen 63er Runde

Der Schlag

Am Tee des 18. Lochs (Par 5, 667 Yards, 610 m) in Erin Hills während der dritten Runde der US Open war klar, dass Justin Thomas nach neun Birdies an diesem Tag einen Eagle spielen würde müssen, um den Rekord von 63 Schlägen in einem Major zu knacken. Thomas hatte nach dem Abschlag immerhin noch eindrucksvolle 299 Yards (273m) bis zur Fahne und nahm das Thema ernst. Nachdem er mit seinem Caddie die Topographie besprochen hatte, nagelte er sein Holz 3 auf knapp 1,5 Meter zur Fahne und lochte den Putt. Mission gelungen, eines der längsten und genauesten Fairwayhölzer, die die Golfwelt je gesehen hat.

Wie man ihn schlägt:

Es macht keinen Sinn, auch nur nachzudenken wie wir Durchschnittsgolfer eine solche Bombe spielen könnten, statt dessen konzentrieren wir uns auf flüssige Fairwayschläge, die ja auch nicht immer selbstverständlich gelingen. Die Ballposition ist hier eines der wichtigsten Details. Der Schwungradius hat seinen tiefsten Punkt im Allgemeinen auf Höhe der linken Achselhöhe. Liegt der Ball dahinter, befindet sich der Schläger noch im Abwärtsschwung – perfekt für Eisenschläge. Liegt der Ball vor diesem Punkt trifft der Schläger den Ball während der Aufwärtsschwung bereits begonnen hat – perfekt für Drives. Um den Ball aber absolut clean direkt vom Fairway zu treffen, macht es Sinn, den Ball genau dort zu positionieren, wo der tiefste Punkt des Schwunges ist, nämlich ziemlich genau unter der linken Achsel.